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Wer deckt Fraud eigentlich auf?

Eine Studie der Professoren Zingales, Dyck und Morse aus den USA beschäftigte sich mit 230 Fällen von Fraud in amerikanischen Konzernen (1996 bis 2004). Der Titel der Studie 'Who blows the whistle on corporate fraud?' gibt einen Hinweis auf ihre Ziele: Es ging um die Frage, welche Stakeholder oder Gruppen Fraud in einer Organisation aufdecken.


Damit es schön eingängig wird, hat man eine Rangliste erstellt, die Top Ten der Betrugsaufdecker.

  1. Arbeitnehmer
  2. Medien
  3. Nicht-finanzielle Marktregulation
  4. Unternehmensberater
  5. Wirtschaftsprüfer
  6. Unternehmensstrategen
  7. US-Börsenaufsicht SEC
  8. Kapitaleigner
  9. Professional Services Firms
  10. Short-Seller (Baisse-Spekulanten)

Nicht überraschend für Fachleute ist, dass Arbeitnehmer an erster Stelle kommen, dicht gefolgt von den Medien. Dahinter verbirgt sich die Problematik, dass Arbeitnehmer, die intern keine geeignete Anlaufstelle für ihre Hinweise haben, sich irgendwann an die Medien wenden. Das birgt für die betroffene Organisation die Gefahr, in ein nicht mehr steuerbares Risiko medialer Breitseiten zu geraten, die auch ein gutes Krisenmanagement nicht mehr beherrschen wird. Viele Organisationen tun überrascht, wenn Vorwürfe in der Presse lanciert werden, haben aber vorher ihre Hausaufgaben nicht gemacht; lesen Sie hierzu auch zum Stichwort Krisenmanagement in diesem Handbuch.

Bedenklich für den Berufsstand der Internen Revisoren ist es, dass diese US-amerikanische Studie ihnen keine Bedeutung bei der Aufdeckung von Fraud einräumt. Dies ist umso erstaunlicher, als in den USA die beiden Fachexamen Certified Internal Auditor und Certified Fraud Examiner schon seit mehreren Jahrzehnten abgelegt werden können. Dies hat offensichtlich aber nicht zu einer Erhöhung des Prüfungsdruckes und zu einer besseren Identifizierung von dolosen Handlungen geführt.

Staatliche Regulatorien insgesamt wenig erfolgreich

Die Forscher kommen zum Ergebnis, dass Untersuchungen der SEC oder auch externer Auditoren teuer, aber oft nicht effektiv waren. Beides lässt den Rückschluss zu, dass damit zwar die Risiken für die Haftung der Manager verringert, ein wirksames Anti-Fraud-Management aber nicht installiert wird.

Zudem kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die Mehrheit der Gesetzesreformen, die während der großen Betrugsskandale des späten 20. und frühen 21. Jahrhundert entstanden, keinen großen Einfluss auf die Betrugsaufdeckung haben. Das ist, nebenbei bemerkt, auch unsere Auffassung und eine deutliche Ohrfeige für die Politik. Wenn man sieht, was die Sarbanes-Oxley-Hysterie an Aufwänden und Kosten für die Unternehmen nach sich gezogen hat und was im Endeffekt damit erreicht wurde, wird man dem auch zustimmen.

Die Autoren der Studie empfehlen, die Aufdeckung von betrügerischen Aktivitäten zu belohnen. Ein solches System wurde schon effektiv in den USA getestet - im Gesundheitswesen. Dieses kann den Wissenschaftlern zufolge auch auf den Business-Sektor ausgeweitet werden. Vorteil eines solchen Systems: Es sei weitaus kostengünstiger als herkömmliche Modelle, bei denen auch ohne Resultat Kosten anfallen würden, hieß es zur Begründung.