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Osteuropa: hohes Risikopotenzial für dolose Handlungen in deutschen Vertriebsniederlassungen

Experten gehen davon aus, dass bei achtzig Prozent aller Vertriebsniederlassungen deutscher Unternehmen in Osteuropa mit lokalem Führungspersonal chronische dolose Handlungen durch leitende Angestellte stattfinden.


Die Folgen für das Unternehmen können gravierende Auswirkungen haben. Neben dem rein finanziellen Schaden, der oftmals gerade bei kleineren Einheiten zu einer Existenzgefährdung führen kann, werden die meisten dolosen Handlungen von den nationalen Behörden als Steuervergehen und Bilanzfälschung verfolgt.

Dieses Risiko gilt für alle Geschäftsführer, auch den oftmals auf dem Papier eingesetzten deutsche Geschäftsführer aus dem Mutterhaus. Die Gesellschaft wird mit teilweise drakonischen Strafen belegt. Eigene Mitarbeiter, aber auch Wettberber nutzen diese Tatsache sehr oft als Mittel, dem Unternehmen gezielt Schaden zuzufügen, indem entsprechende Informationen den Steuerbehörden anonym zugespielt werden.

Erschwert wird die Aufdeckung dieser Handlungen durch mehrere Faktoren:

  • Räumliche Entfernung vom Mutterhaus
  • Naivität des deutschen Managements hinsichtlich der Aufgabenerfüllung des Managements und der vorhandenen Risiken
  • Fehlende Überwachung, selbst wenn ein zweiter Geschäftsführer pro forma eingesetzt worden ist
  • Keine Möglichkeit für lokale Mitarbeiter, Hinweise geben zu können (Whistleblowing)
  • Mißachtung von offensichtlichen Warnsignalen (Verlust von Schlüsselpersonel, in der Regel Controlling oder Buchhaltung)
  • Fehlendes oder unwirksames Internes Kontrollsystem

Typische dolose Handlungen aus unserer Erfahrung sind:

  • Warenverkauf an persönliche Freunde des leitenden Angestellten weit unter Preis; hierbei oft als Musterware oder als Ware mit Qualitätsmängeln deklariert; ein Teil des Differenzbetrages wird unter der Hand cash an den leitenden Angestellten bezahlt;
  • Fälschung von Schadensmeldungen und Aufteilung der Schadenszahlung zwischen den Beteiligten;
  • Berichtigung des Warenbestandes im Rahmen von unzureichend gesicherten und manipulierbaren Warenwirtschaftssystemen – die Folge sind nicht nachweisbare Schwarzverkäufe unter der Hand bei korrekten Inventurbestand;
  • Provisionszahlungen an leitende Angestellte, welche lukrative Aufträge an befreundete Unternehmen vergeben;
  • Manipulation von behördlichen Auflagen mit Hilfe Dritter mit dem Ziel, höhere Investitionsbudgets vom Mutterhaus zu erhalten;
  • Unzulässige Belieferung zu Großhandelsrabatten an 2nd-level Distributoren im Ausland (meistens über lokale Tarnfirmen oder eigene Unternehmen des leitenden Angestellten);
  • Diebstahl, Untreue und ähnliche strafrechtliche Delikte.

Durch Erstellung einer Risikobeurteilung, einer Prüfung durch die Interne Revision sowie der Entwicklung und Implementierung einer an die lokalen Verhältnisse angepassten Führungs- und Kontrollstruktur können die Risiken vermindert werden.

Bei konkreten Verdachtsfällen kann ein extern  und unabhängig eingesetzter, mit den lokalen Verhältnissen vertrauter Prüfer die sensiblen Bereiche untersuchen und entsprechende Ermittlungen durchführen. Das Mutterhaus erhält ein ungefiltertes Lagebild und sichert sich durch diese Präventions- und Aktivhandlungen bei eventuell späteren behördlichen Ermittlungen wesentlich ab.