Sie benötigen einen Flash Player, um diesen Film sehen zu können.

Einleitung

In der Regel handelt es sich nicht um Engpasstäter, sondern um Bereicherungstäter. Dies schließt erfahrungsgemäß auch Manager mit ein. In unserer Praxis finden sich in einer ex post Betrachtung häufig dokumentierte Auffälligkeiten bei den einzelnen Tätern:

  • Profilierungssucht
  • Autoritärer Führungsstil
  • Widerstand gegen Interne Revision und Kontrollen

Als (Top)-Management Fraud bezeichnet man dolose Handlungen des oberen und höchsten Managements. Dies können leitende Angestellte, Geschäftsführer oder auch Vorstände sein.

Insbesondere die Möglichkeit, Kontrollen außer Kraft zu setzen, schaffen die Möglichkeit für Fraud in den Führungsetagen (Management override). Risikoorientierte Prüfungsansätze basieren allerdings auf der Annahme, dass ein funktionierendes Internes Kontrollsystem vorhanden ist. Diese Ansätze stellen für Abschlussprüfer und Interne Revision best practice dar. Ziel der Ansätze ist es, eine wirtschaftliche Prüfungsdurchführung zu ermöglichen, um in der Gesamtbeurteilung eines Prozesses und seiner inhärenten Kontrollen keine Vollprüfung umsetzen zu müssen.

Abschlussprüfung und Interne Revision prüfen grundsätzlich auf Basis dieser Annahme, so dass ein Management override (Außer Kraft Setzen von Kontrollen) darum besonders kritisch ist. Der Risikoorientierte Prüfungsansatz versagt darum bei (Top)-Management Fraud, beziehungsweise muss um spezifische, das Fraudrisiko berücksichtigende Prüfungshandlungen ergänzt werden.

Persönlichkeitsprofile von Wirtschaftsstraftätern

Wirtschaftskriminelle unterscheiden sich signifikant von anderen Kriminellen, so eine Pilotstudie des Diplomkriminalisten Lothar Müller. Er ging der Frage nach, ob das so genannte Profiling auch bei der Aufklärung von Wirtschaftsstraftaten eingesetzt werden kann, also ob Persönlichkeitseigenschaften der Täter bei diesen Straftaten signifikante Eigenschaften aufweisen.

Profiling bedeutet normalerweise schlichtweg Analyse eines Falles. Der Begriff wird im Zusammenhang mit Schwerstkriminalität wie Mord und Vergewaltigung gebraucht und wird dem ehemaligen Leiter der FBI-Akademie in Quantico, Virginia, Robert Ressler zugeschrieben. Profiling ist die Beschreibung des Charakters einer unbekannten Person, also eines potentiellen Täters oder in eine Tat verwickelte Person.

In einem typisch deutschen, etwas sperrigen Begriff wird auch von der OFA – der Operativen Fallanalyse – gesprochen. Bei der Fallanalyse handelt es sich um ein kriminalistisches Werkzeug, welches das Fallverständnis bei Tötungs- und sexuellen Gewaltdelikten sowie anderen geeigneten Fällen von besonderer Bedeutung auf der Grundlage von objektiven Daten und von möglichst umfassender Informationen zum Opfer mit dem Ziel vertieft, ermittlungsunterstützende Hinweise zu erarbeiten. Auf dieser Grundlage können ermittlungstaktische Maßnahmen begründet umgesetzt werden, etwa die Konzentration auf eine bestimmte Gruppe an möglichen Tätern bei einer Straftat.

Im Bereich der Wirtschaftsstraftaten wird in der Regel nicht der Täter, sondern die Tat verschleiert. Wirtschaftsstraftaten tarnen sich als normale Geschäftsvorfälle, als Beratungs- und Serviceleistungen, Hypotheken und Kredite oder als Warenlieferungen. Allen Taten gemeinsam ist, dass sie zum Ziel haben, einzelne oder mehrere Täter zu bereichern oder einen sonstigen egoistischen Vorteil für sich zu ziehen.

Auf Grund unserer Erfahrungen bildet sich bei vielen Tätern allerdings in der Tatbegehung durchaus ein Modus Operandi heraus – anders allerdings Müller (ZRFG 03/2008, S. 112). Manche Täter probieren nach unserer Auffassung gezielt vorhandene Kontrolllücken aus und entscheiden sich dann für ein Vorgehen, das unter Berücksichtigung von möglichst geringem Aufdeckungsrisiko einen maximalen Vorteil bringt. So ist es nicht selten, dass mit Spesenreiterei oder Spesenbetrug begonnen wird, bevor massive Straftaten wie Urkundenfälschungen systematisch eingesetzt werden, um ein Unternehmen zu schädigen.

Der Autor führte Gespräche mit verurteilten Wirtschaftsstraftätern. Zwar ist die Pilotstudie nicht repräsentativ, die Ergebnisse nur qualitativ on Nutzen, sie zeigt aber einige signifikante Eigenschaften von Tätern auf, die Forensiker für ihre Arbeit nutzen können:

  • Die Täter sahen sich mehr in der Opfer- als in der Täterrolle. Schuld waren immer Dritte, widrige Umstände oder andere, nicht durch sie verursachte Umstände.
  • Die Konsequenzen der Taten für das soziale und wirtschaftliche Umfeld (beispielsweise Unternehmen und Mitarbeiter) wurde verharmlost, die Folgeschäden wurden ignoriert oder negiert.
  • Der Tatzeitpunkt, der für die Täter in der Regel eine Krise darstellte, wurde von ihnen nicht als Krise erkannt. Die damit einhergehende Überforderung in Verbindung mit geringer sozialer Kompetenz führte zur Tatbegehung.
  • Allen Interviewten war ein geringes Maß an Rechtsbewusstsein zu Eigen, die auch zu einer vermeintlichen Legitimation ihres Handelns führte.
  • Die Interviewten wiesen narzisstische Verhaltensweisen auf und verfügten über mehr oder minder stark ausgeprägtes schauspielerisches Talent.
  • Das damit einher gehende Kommunikationstalent half ihnen, aber alle Täter hatten Bindungsprobleme.

Wirtschaftsstraftäter besitzen ausgezeichnete Fähigkeiten, ihre Persönlichkeit einzusetzen, um Straftaten zu begehen, die Konsequenzen zu ignorieren und betrachten ihre Freiräume nicht als Vertrauensgrundlage, sondern als Möglichkeit zur Tatbegehung.

Weiterführende Informationen

Müller, Lothar:
Wirtschaftsstraftäter – Täterpsychologie und Persönlichkeitsprofil
,
in ZRFG 3/08 S. 111 – 119

Knecht, Th.:
Das Persönlichkeitsprofil des Wirtschaftskriminellen
,
in: Kriminalistik, 2006, S. 201 ff.

Homepage des Federal Bureau of Investigations (FBI)

Artikel bei Wikipedia mit weiteren Quellen